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Nach dem Erdbeben

Genre: Drama

 

Dieser Text entstand im Zusammenhang einer Aufgabe im Deutschunterricht vor gut drei Jahren. Ich schrieb eine kleine Geschichte zu dem Stichwort Erdbeben.

Nach dem Erdbeben
Das Erdbeben hatte die ganze Stadt in Schrecken versetzt. Obwohl es keinen zu großen Schaden angerichtet hatte. Es gab keine Toten und kaum Verletzte.
Bis auf dich.
Als ich dich fand hatte ich das Gefühl, mir würde der Boden unter den Füßen weggezogen.
Es war zur Morgendämmerung gewesen.
Die schläfrige Stimmung, die zu dieser Tageszeit normalerweise in den Straßen herrschte, war durch die Unruhen in der Nacht gar nicht erst aufgekommen.
Überall waren Menschen unterwegs.
Man wollte den Nachbarn versichern, dass niemandem etwas zugestoßen war, dass das Haus noch stand und nichts außer dem umgekippten Bücherregal zu Schaden gekommen war, und gleichzeitig selber nach seinen Bekannten schauen, ob jemand Hilfe brauchte.
Es waren aufgeregte Rufe zu hören und erleichtertes Lachen, wenn  man einem Freund in die Arme fiel, dem zum Glück nichts passiert war.
Nur ich konnte mich der Fröhlichkeit nicht anschließen.
Ich konnte keinen unversehrten Freund in die Arme nehmen… mein Freund war nicht unversehrt…
Ich hatte die ganze Nacht nach dir gesucht.
Meine Eltern waren nicht zuhause gewesen und die Einsamkeit hatte mir nur noch mehr Angst gemacht, als der Boden zu beben begann.
Ich wollte zu dir, doch dein Haus fand ich verriegelt und verlassen vor.
Also strich ich durch die dunklen Straßen auf der Suche nach dir.
Als ich dich schließlich fand, kämpften sich bereits die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont und warfen ein trügerisch freundliches Licht auf den Anblick, der sich mir bot.
Der Brunnen, über dessen Rand ich mich gebeugt hatte und auf dessen Grund ich mit vor Entsetzten weit aufgerissenen Augen starrte, war tief und fast leer.
Am Grund fanden sich noch ein paar Pfützen mit dreckigem und drüben Wasser.
Und inmitten dieses traurig-grauen Schlammes lagst du.
Dass du tot warst, sah man dir eigentlich gar nicht an. Es sah eher so aus, als hättest du dich zum Schlafen absurderweise auf dem Boden des Brunnens zusammengerollt.
Doch du schliefst nicht, deine Brust hob und senkte sich nicht gleichmäßig, denn du atmetest überhaupt nicht mehr.
Eine Weile starrte ich einfach nur nach unten auf deinen reglosen Körper und wartete darauf, dass du die Augen aufschlugst und zu mir hinauf lächeltest oder, dass ich aus diesem Alptraum aufwachte… Du konntest doch nicht tot sein!
Ich erfuhr erst später, wie du umgekommen warst. Du hattest dich mit einer Gruppe Betrunkener gestritten und sie hatten dich schließlich überwältigt und in den Brunnen geworfen, wodurch du dir das Genick gebrochen hattest… Dein Tod hatte also nicht mal etwas mit dem Erdbeben zu tun gehabt… Als wäre das ein Trost für mich!
Ich begann krampfartig zu schluchzen und klammerte mich am Rand des Brunnens fest.
Plötzlich legten sich zwei weitere Hände neben meine.
Mit tränenverschleiertem Blick sah ich zu dem Jungen auf, der neben mir stand und mit ausdruckslosem Blick zu dir hinab spähte.
Ich kannte ihn. Jeder kannte ihn hier in der Stadt.
Du hattest ihm einmal ein Gewand von einem Straßenjungen geschenkt, weißt du noch?
Ach was frage ich dich noch? Du kannst mir ja doch nicht mehr antworten!
Der Junge neben mir hob den Kopf und sah mich an.
»Ist er tot?«
Obwohl er keine Miene verzog hörte ich an seiner belegten Stimme, dass er über deinen Tod ebenfalls erschüttert war.
Seine Frage blieb unbeantwortet, da ich es nicht über mich brachte, seine Aussage zu bestätigen. Es auszusprechen, hätte es so unwiderruflich gemacht, so endgültig.
Es war unwiderruflich, dass du nicht mehr am Leben warst, doch manchmal scheinen Dinge nicht zu existieren, wenn man nicht über sie spricht…
Der Junge schien zu  verstehen, was mir durch den Kopf ging.
Er erwartete gar keine Antwort, denn er kannte sie schon.

Nach einem letzten Blick zu dir in den Brunnen verschwand er und ich blieb weinend zurück, während die Sonne vollends aufging und ein weiterer Morgen anbrach.

13.10.10 15:41

Letzte Einträge: Vorschau, Warum Schnee kalt ist?, Unter diesen Sternen, Ich bin gekommen, um Adieu zu sagen, Loslassen

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