Letztes Feedback

Meta





 

Your name burn marked deep down in my soul

Genre: Drama

Die Geschichte entstand im Zuge eines FanFiction-Contest. Als Vorlage galt der Text eines Songs der finnischen Band Negative. Die englischen Zeilen stammen also nicht von mir, sondern von Negative.

Your name burn marked deep down in my soul
 
»Wieso friert man eigentlich, wenn man müde ist?«, frage ich gedämpft und schlinge vor dem Spiegel im Schlafzimmer stehend die Arme um meinen Körper.
 
»Du frierst doch ständig«, antwortet Johannes grinsend und tritt hinter mich. "Du bist viel zu dünn und hast kein Fett, das die Kälte von dir fern halten könnte."
Er legt kurz die Arme um meinen nackten Oberkörper und drückt einen Kuss auf meine Wange.
 
»Na toll…«, antworte ich grummelnd und greife mir ein T-Shirt, das ich über meinen zitternden Körper ziehe.
 
Johannes hat Recht… ich bin dünn. Ich bin furchtbar dünn, aber es fällt mir schwer, dagegen etwas zu unternehmen. In letzter Zeit bin ich so appetitlos, ich vergess es so oft einfach, etwas zu essen. Das zahlt sich aus…
 
»Wenn ich dich an die Haltestelle bringen soll, musst du dich beeilen, mein Süßer«, höre ich Johannes aus der Küche rufen.
 
Ich runzle die Stirn. Seit wann bin ich eigentlich sein Süßer? Er denkt sich immer wieder neue Kosenamen für mich aus, vermutlich um mich aufzuheitern.
 
Seufzend gehe ich zu ihm in die Küche. Dort steht der große, hagere Kerl fröhlich am Tisch und packt sein Frühstück ein. Er hat es wirklich nicht leicht mit mir, aber er gibt sich so viel Mühe, mich nicht mit meinen Gedanken allein zu lassen.
 
»Ich hab noch ein Brötchen für dich«, sagt er und zeigt auf das Brettchen auf dem Tisch, auf welchem ein aufgeschnittenes Brötchen liegt. Daneben steht ein Glas Erdbeermarmelade.
 
Lustlos lasse ich mich auf den Stuhl sinken und schmiere etwas von der roten, klebrigen Masse auf das Stück Brot.
 
»Das ist deine Lieblingsmarmelade und ein frisches Brötchen, also du kannst dich nicht beschweren, dass es dir nicht schmeckt!«, sagt Johannes anklagend und hebt warnend die Augenbrauen.
 
»Schon gut… hab ich denn was gesagt?«, frage ich dagegen.
 
»Nein, aber ich hab doch gesehen, wie du geschaut hast«, antwortet Johann mit einem unterdrückten Seufzen.
 
Ich sage nichts. Aber ich weiß, was er meint. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal entspannt und fröhlich geschaut habe. Ich bin lustlos, für nichts zu begeistern und wenn ich mal was sage, dann ist es meistens irgendeine Kritik oder eine überflüssige, gelangweilte Bemerkung.
 
»Es tut mir Leid«, flüstere ich nun doch, »Sag mir das in Zukunft ruhig, wenn ich wieder besonders unausstehlich bin, ich will das abstellen…«
 
Johannes sieht mich nachdenklich an.
»Theo… du bist nicht unausstehlich. Ich hab dich gern, so wie du bist…. das weißt du…«
 
»Ja, aber ich weiß auch, dass ich dir auch oft genug auf den Geist gehe«, unterbreche ich ihn ungehalten, »Dass ich ständig so unmotiviert bin und eigentlich alle anmotze, die mir über den Weg laufen…«
 
Johannes schmunzelt. »Wenn du das weißt, dass es so ist, wieso unternimmst du dann nichts dagegen?«, fragt er leise und mit wachsamem Blick.
 
Ich antworte nicht sofort, sondern lehne mich kauend in meinem Stuhl zurück. »Weil es verdammt schwer ist, so zu tun, als wäre man gut gelaunt und glücklich, wenn man es nicht ist.«
 
Johannes umrundet den Tisch und hockt sich vor meinem Stuhl auf den Boden.
»Deswegen sage ich ja, dass ich dich so mag, wie du bist. Du bist vielleicht unfreundlich, aber ich weiß, warum du das bist. Und es ist mir lieber, wenn du deine ehrlichen Gefühle zeigst, als wenn du ständig eine Maske aufsetzt aber dafür fröhlich bist.« Er lächelt.
 
Ich atme tief durch. »Ich weiß schon, warum ich bei dir eingezogen bin«, wispere ich schließlich und beiße dann von meiner zweiten Brötchenhälfte ab.
 
»Ich lebe gerne mit dir zusammen, Theo«, nickt Johannes, erhebt sich wieder und stellt die Spülmaschine an.
 
»Kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber…«
 
Johannes unterbricht mich mit einem strengen Blick und ich esse achselzuckend aber stumm mein Brötchen auf.
 
Johannes ist drei Jahre älter als ich und studiert Latein auf Lehramt. Es ist mir völlig fremd, wie man so etwas wie Latein studieren kann, aber es ist faszinierend, ihm zuzuhören, wenn er von dieser seltsamen Sprache erzählt, die sich mir völlig verschlossen hält.
Ich studiere nicht. Das hatte ich nie vor, obwohl ich ein ziemlich gutes Abitur in der Tasche habe. Aber ich habe meinen Traumberuf gefunden, für den ich nicht studieren muss, darum hab ich mir den Stress gar nicht erst angetan. Geigenbauer zu sein, war mein Traum, seit ich als kleiner Junge einmal dabei sein durfte, als mein Vater gerade eine kleine Geige für ein Kind baute, das damals so alt war wie ich… also ungefähr fünf Jahre. Es faszinierte mich unheimlich, solche feingeformten Holzkörper herzustellen, aus denen später einmal so wunderschöne Töne gelockt werden konnten.
Schon in meiner Jugendzeit hatte ich die Grundlagen für das Bauen von Streichinstrumenten gelernt und so machte ich direkt nach dem Abitur meine Ausbildung und arbeite seitdem mit meinem Vater zusammen in dessen Atelier. Das sind jetzt schon glatte drei Jahre…
 
Drei Jahre… sie sind unheimlich schnell vergangen… und wenn ich jetzt an sie zurückdenke, empfinde ich sie zwar als schön, aber eigentlich auch als farblos…
 

Years go by, they’re fading away…

 
… Sie verschwimmen zu einer großen Masse aus welcher aller höchstens Johannes‘ gutmütiges Gesicht heraussticht.
 
Johannes und ich hatten uns bei der Fahrschule kennen gelernt. Wir hatten uns ziemlich gut verstanden und Johannes wurde schließlich zu dem ersten Menschen, mit dem ich über mein größtes Geheimnis sprach…
 

... über dich….

 
»Wo bist du denn schon wieder mit deinen Gedanken?«, fragt Johannes und knufft liebevoll in meine Seite, während wir gemeinsam zur Bushaltestelle schlendern.
 
»Weit weg…«, antworte ich müde. »Mir ist kalt.«
 
Johannes schnaubt und legt einen Arm um meine Schultern. Fest drückt er mich an sich und ich spüre ein Ziehen in meiner Brust.
Schweigend gehen wir weiter, bis wir das gelbe Haltestellenschild erreicht haben.
 
»Na dann, Süßer«, lächelt Johannes mich an, »Wünsch ich dir einen schönen Tag.«
 
Ich nicke. »Dir auch.«
 
Einen Moment lang sehen wir uns schweigend an, dann beugt er sich vor, haucht mir einen Kuss auf die Stirn und geht dann hinüber zu der anderen Haltestelleninsel, wo seine Bahn fährt.
 
Johannes und ich führen eine etwas seltsame Beziehung… wirklich als ein Paar bezeichnen wir uns nicht. Wir sind beide schwul und leben zusammen, jedoch eher so WG-mäßig. Manchmal schleiche ich mich aber nachts in sein Zimmer, wenn ich nicht schlafen kann und dann sind wir uns oft auch körperlich sehr nahe. Dennoch… wir sind nicht verliebt. Nicht ineinander. Ich könnte ihn nie so lieben, wie man einen Partner liebt… so, wie ich dich geliebt habe und es noch immer tue….
 

You are the chosen one…

 
Niemals werde ich wieder jemanden so lieben können, wie dich. Darum gibt es für mich auch keine andere Möglichkeit, als dass du eines Tages doch wieder kommst. Dass wir eines Tages doch wieder zusammen sein werden. Denn andernfalls wüsste ich nicht, wie ich jemals wieder ehrlich glücklich werden soll.
 
Als ich vor dem Atelier meines Vaters ankomme, fällt mir auf, dass ich mal wieder viel zu früh dran bin. Das ist auch so eine Eigenschaft von mir, die ich einfach nicht abstellen kann: völlig sinnlos viel zu früh da zu sein. Schon früher in der Schule war ich mindestens fünfundvierzig Minuten vor Schulbeginn da und war begeistert durch die stillen und leeren Flure der Schule gelaufen, die später von Schülern bevölkert sein würden.
 
Jetzt habe ich noch eine Stunde Zeit, bevor wir offiziell öffnen. Natürlich könnte ich jetzt schon hineingehen und mich mit meinem Cello beschäftigen, das seit ein paar Wochen mein Auftrag ist, aber… mir kommt plötzlich eine bessere Idee.
 
Rasch schließe ich die Tür auf, stelle meine Tasche ab, verlasse das Gebäude dann aber wieder. Meine Schritte führen mich in den angrenzenden Wald, zirka zehn Minuten zu Fuß. Durch die dichten Baumkronen ist es hier ziemlich düster und ich beginne erneut, zu frieren. Mit zusammengebissenen Zähnen ziehe ich meine Jacke fester um meinen schmalen Körper und eile den Pfad entlang, der durch die Bäume führt. Mein Ziel kenne ich genau. Als Kind war ich mit meiner Großmutter hier Pilze suchen. Sie starb, als ich elf Jahre alt war und danach war ich einige Jahre noch allein im Herbst hierhergekommen und hatte Pilze gesucht. Aber irgendwann hatte es mich nicht mehr interessiert und ich war lange Zeit nicht im Wald. Erst, als ich dich kennen lernte, trieb es mich wieder öfter hinaus in die Natur… hier her in den Wald… auf die kleine Lichtung, die ich soeben erreiche…
 
… Wir lernten uns in der Musikschule kennen. Ich hatte in der zweiten Etage Bratschen-Unterricht. Als ich in der zwölften Klasse war, begann deine Freundin ebenfalls, Viola zu spielen. In derselben Musikschule… in derselben Etage… Dieses Jahr hatte ich erst ziemlich spät abends Unterricht… deine Freundin hatte die Stunde vor mir… und du wartetest jedes Mal draußen in dem kleinen Vorraum auf sie… und ich war immer zu früh da…
Erst hatten wir uns nicht einmal »Hallo« gesagt. Du hattest in der einen Ecke des Raumes gesessen, ich in der anderen. Wir hatten geschwiegen. Deine Freundin hatte fröhlich »Tschüss« zu mir gesagt, wenn ihr gegangen wart. Aber du nicht.
Dann warst du einmal in mich hineingelaufen, als du auf die Toilette gehen wolltest und ich gerade herauskam. Wir hatten im Chor auf gekeucht und uns dann angegrinst.
»Du hast ne harte Birne«, hattest du gesagt, als du wieder kamst.

Ich hatte dich angesehen und hatte nur gedacht ›und du hast wunderschöne Augen.‹ Farblich eigentlich nicht so spannend… so ein grün-braun, dem meinen sehr ähnlich. Aber die Form deiner Augen, die langen, dunklen Wimpern… die Wärme, die aus deinen Augen sprach…

 
Ich bleibe stehen, weil mir die Erinnerung an deine Augen kurzzeitig den Atem raubt. Gleichzeitig spüre ich einen nahezu unerträglichen Schmerz in meiner linken Brusthälfte.
 

Don’t you see how my wounds bleed they won’t heal…

 
Die Erinnerung an dich lähmt mich wirklich körperlich. Sie schmerzt so sehr, dass ich mich manchmal einfach nur ganz klein zusammenrollen will, bis der Schmerz endlich vorrübergeht.
 
... Seit diesem Tag begrüßten wir uns, wenn ich den Raum betrat. Mehr sprachen wir aber nicht. Das einzige, was wir immer öfter austauschten, waren Blicke. Verhalten… schüchtern… bemüht heimlich… aber der andere hatte es ja doch immer bemerkt und just in der Sekunde ebenfalls den Kopf gehoben, sodass wir uns immer wieder ansahen… immer wieder… viel zu oft…
Du hattest irgendwann angefangen, dich in meinem Kopf einzunisten und einfach nicht mehr verschwinden zu wollen. Ich konnte an nichts anderes denken, als an dich, dabei wusste ich nicht einmal, wie du heißt. Eines Tages fragtest du mich nach meinem Namen und so tat ich es dir gleich. Noah.
Und du bist genauso alt, wie ich. An diesem Tag wechselten wir ein paar Worte über unsere Interessen. Du magst Rock’N’Roll… liebst es, E-Gitarre zu spielen… Ich war froh, dass du auch ein Musiker bist. Dann stelltest du mir deine Freundin vor. Teresa. Sie lächelte mich freundlich an, sie war hübsch. Aber ich konnte sie nicht leiden… es bereitete mir Ekel, wenn sie deine Hand nahm…
Meine Gefühle bereiteten mir Kopfzerbrechen, ich wusste nicht, mit wem ich darüber reden sollte und ließ es darum ganz bleiben. Ich zog mich lieber zurück, strich stundenlang allein durch die Straßen und auch durch den Wald. Versuchte, mir darüber klar zu werden, was ich für dich fühlte…

Und dann suchtest du dir ausgerechnet diese Lichtung hier aus, um bei strömendem Regen von deinem Fahrrad zu stürzen, als ich während meiner einsam Waldspaziergänge dort ankam.

 
Die Wurzeln, an denen dein Rad wohl hängen geblieben war, sind immer noch da und ich lasse mich auf einen großen Stein nieder, der neben ihnen steht. Vor meinem inneren Auge sehe ich uns… dein Rad, das mit sich noch drehendem Reifen auf dem Boden liegt… du, der erschrocken daneben zum Liegen gekommen ist… und ich, der geschockt zu dir läuft, sich über dich beugt und besorgt fragt, wie es dir geht… und natürlich der eiskalte Regen… den spüre ich jetzt sogar noch auf meiner Haut.
Ich kneife die Augen zu kleinen Schlitzen zusammen und kann sehen, wie sich der dunkelhaarige Junge aufrappelt. »Mit geht’s gut«, murmelt er und wischt sich den Schlamm von den Händen. Der andere … mit dem helleren Haar, das durch den Regen aber ebenfalls dunkel erscheint… ich… er sieht ihm dabei zu. Nun stehen sie sich gegenüber, klitschnass und zitternd… Und plötzlich… es geht so schnell…
 
Fast spüre ich deine Lippen noch auf den meinen. Kann noch fühlen, wie du deine Finger in meine Oberarme krallst und mich an dich ziehst.
 

... Da hatten wir gestanden… und hatten uns geküsst… erst sanft… erst vorsichtig. Wir hatten viel zu große Angst davor, waren beide nicht darauf vorbereitet. Aber dann spürten wir gleichzeitig, dass es einfach richtig war, dass wir das beide so sehr wollten… dass wir zusammengehörten…

 

Like blood on blood…

 
... Seit diesem Tag hatten wir uns in der Musikschule jedes Mal angelächelt, wenn ich herein kam. Plötzlich kam das »Hallo« nicht mehr über unsere Lippen, aber dafür ein liebevolles Lächeln. Ich setzte mich nicht mehr auf den Stuhl, der am weitesten von dir entfernt stand, sondern auf den direkt neben dich. Du nahmst meine Hand. Einmal gingen wir zusammen auf die Toilette, schlossen uns in der Kabine ein und küssten uns so lange, bis Teresas Unterricht zu Ende war und du gehen musstest. In der nächsten Zeit trafen wir uns immer wieder in der Kabine… verbrachten an diesem ungemütlichen Ort die fünfundvierzig Minuten… Enganeinander geschmiegt… wisperten uns leise kleine Geschichten zu… unsere Träume von unserer gemeinsame Zeit später… wie wir gemeinsam leben und für immer zusammen sein würden…
Manchmal, wenn das Wetter mitmachte, trafen wir uns im Wald auf der Lichtung… lagen einfach nur beieinander, spendeten einander Nähe und Geborgenheit… Es war alles wie ein Traum und ich war so unendlich glücklich. Wie weh es tat, niemandem von meinem Glück erzählen zu können. Du wolltest das Ganze nämlich geheim halten… wolltest nicht, das andere davon erfuhren, dass wir uns liebten.
Du nahmst ja doch immer wieder Teresas Hand, wenn sie vom Bratschen-Unterricht kam… zu mir sagtest du nur ein gefühlloses »Tschüss«, wenn ihr gingt… wenn Teresa dabei war, schienst du mich plötzlich nicht mehr zu kennen…
Teresa. Sie war unser Hindernis. Sie war das, was uns voneinander fernhielt. Du wolltest keine Beziehung mit mir… keine öffentliche. Ich konnte es nicht verstehen…
»Wenn du mich liebst, wieso bist du dann lieber mit Teresa zusammen?«, hatte ich dich verzweifelt gefragt.
»Theo«, hattest du gewispert und mich traurig angesehen, »Lass mir etwas Zeit. Ich muss mit Teresa reden… und mir selber darüber klar werden, was ich will. Lass es uns vorerst geheim halten…«
Mein Blick muss so traurig gewesen sein, denn du hattest mich fest an dich gezogen.
»Theo«, hattest du geflüstert, »Du spürst es doch auch, oder? Wir gehören zusammen und das werden wir auch sein. Wir halten zusammen, uns wird niemand auseinanderreißen können. Niemals.«

Das hattest du gesagt. Nicht nur einmal. Immer wieder, wen n wir uns in der Toilettenkabine versteckt oder uns auf der Waldlichtung getroffen hatten und ich zu zweifeln begonnen hatte, ob wir das Ganze noch lange so geheim durchhalten würden… immer wieder hattest du mir versichert, dass wir zusammen sein würden und uns nichts trennen könnte.

 
A thousand times we swore and more, that we would stay blood on blood…

All I have is your name deep down in my soul…

 
Aber… wieso sitze ich dann jetzt hier, ohne dich? Wieso lebe ich mit Johannes zusammen und nicht mit dir, wenn wir doch immer zusammenbleiben würden? Wieso habe ich nur noch die Erinnerungen an dich, die mir so sehr weh tun?
 
All I have is your name burn marked deep down in my soul…

Like blood on blood…

 

... Ein halbes Jahr hielt ich diese Beziehung aus. Doch dann… ich ertrug es nicht mehr, zu sehen, wie Teresa dich anlächelte und du ihr Lächeln erwidertest… so ehrlich. Vor mir. Wo du mir doch gerade eben noch versprochen hattest, dass du mit ihr reden würdest. Und dass du mich lieben würdest, nur mich. Ich liebte dich so sehr, dass es mir beinahe den Verstand nahm, wenn du sie küsstest und ich daneben stehen musste, ohne etwas tun zu können…

 
Ich erhebe mich wieder und verlasse die Lichtung mit raschen Schritten. Meine Hände sind eiskalt und ich renne am Ende fast, damit ich bald wieder im Warmen bin. Das leise Klingeln der Türglocke empfängt mich angenehm vertraut, als ich meinen Arbeitsplatz betrete und mich erschöpft auf den nächstbesten Stuhl fallen lasse. Mich nehmen inzwischen schon nur so kleine Spaziergänge körperlich mit… mir kommt es so vor, als würde ich immer schwächer werden.
Ich sehne mich nach deinen starken Armen, die mich so oft umschlungen und festgehalten hatten. An deine warme Stimme, die leise meinen Namen geseufzt hatte, so nah bei meinem Ohr… die Geborgenheit, die ich bei niemandem finden kann, die nur du mir schenken konntest.
 

You're the one I ever loved, the chosen one… I could always trust…

 
Der Tag wird anstrengend. Es passiert nichts und ich kann mich nicht konzentrieren. Als ich zuhause ankomme, hat Johannes warmen Kaffee gekocht und wir kuscheln uns zusammen aufs Sofa vor den Fernseher. Aber ich fühle mich dennoch so schlecht, wie schon lange nicht mehr.
 
... Schließlich ging ich kurz nach Neujahrsbeginn zu dir und teilte dir mit, dass ich dich entweder ganz wollte oder gar nicht und deswegen die ganze Sache sofort beenden würde, wenn du weiterhin mit Teresa und mir zusammen sein wolltest. Du hattest erst geschwiegen… hattest dann versucht, mir zu erklären, dass deine Familie es dir nicht verzeihen würde, wenn du Teresa plötzlich sitzen lassen und stattdessen mit mir – einem Jungen – aufkreuzen würdest. Damit hattest du mich furchtbar verletzt. Ich hatte dich angeschrien, dass ich dich nie wieder sehen will, dass du aus meinem Leben verschwinden solltest, dass du mich krank machen würdest. Du hattest da gesessen, hattest genickt… hattest es verstanden. »Es tut mir Leid«, hattest du gesagt, »Es ist meine Schuld.«

Wutschnaubend war ich gegangen, hatte erwartet, dass du mir nachläufst oder in den nächsten Tagen zu mir kommst. Aber das tatest du nicht. Du ließest mich allein… ich sah dich nicht wieder. Du warst nicht mehr in der Musikschule, du kamst nie mehr in den Wald…

 
»Theo?«
Johannes zieht mich in seine Arme, als ein leises Schluchzen über meine Lippen kommt.
»Ach Theo…«
 
Er hält mich fest, so wie er es immer tut. Johannes ist für mich da, er lässt mich nicht allein. Er erträgt mich, so wie ich bin… mit all meinen Phasen, in denen ich nur weine oder in denen ich unansprechbar und unfreundlich zu allen bin… ohne ihn wäre ich vermutlich schon lange nicht mehr…
Und doch liebe ich nur dich und werde nie einen anderen lieben können.
 

You're the one I ever loved, the chosen one…

 
Noah, es funktioniert nicht mehr, es tut zu sehr weh… es schwächt mich zu sehr… Dieses Leben ohne dich. Dieser Gedanke, dass du mich hast gehen lassen, dass du nicht für mich gekämpft hast. Hast du gedacht, dass ich schon wiederkommen würde? Dass ich es nicht aushalten würde, ohne dich?
Ich habe es nicht ausgehalten… aber ich habe einen starken Willen, Noah. Ich wusste, dass es das Beste für mich ist, wenn ich dich nicht mehr sehe. Darum bin ich nicht mehr zu dir gekommen… Habe dich zurückgelassen… habe nicht mehr verfolgt, was du tust. Ich weiß nicht, ob du jetzt noch hier in der Stadt lebst oder ob du mit Teresa woanders hingezogen bist. Es ist ja schon über drei Jahre her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Was in dieser Zeit alles passiert sein kann…
 

Now the years are passing by freezing hearts so cold…

 
»Nicht weinen, Theo«, flüstert Johannes in mein Haar.
 
»Ich kann nicht«, presse ich hervor, »Ich bin zu schwach, um dagegen anzukommen…«
 
»Das bist du nicht«, antwortet Johannes sanft, »Du bist stark. Tief in dir drin. Ich glaube an dich. Ich glaube daran, dass du den Kampf gegen die Erinnerung gewinnen wirst. Eines Tages wirst du wieder lachen können, glaub mir…«
 

All I have is your name burn marked deep down in my soul…

 
Alles was ich habe, ist die Erinnerung an dich, tief in meiner Seele. Noch frisst sie mich von innen auf… aber wird vielleicht ein Tag kommen, an dem ich mich ihr widersetzen kann?
Als ich durch Johannes' schützende Arme durch das Fenster hinaus in die sternenklare Nacht blicke, spüre ich auf einmal eine seltsame Kraft in mir. Eine Kraft, die mir zuflüstert, dass ich kämpfen kann, dass ich stark sein kann.
Vielleicht werde ich eines Tages den Schmerz ausgeschaltet haben, aber deinen Namen werde ich für immer in meiner Seele behalten…
 

13.10.10 13:49

Letzte Einträge: Vorschau, Warum Schnee kalt ist?, Unter diesen Sternen, Ich bin gekommen, um Adieu zu sagen, Loslassen, Nach dem Erdbeben

Werbung


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Beccy / Website (13.10.10 14:20)
Hi^^
Bin grad auf deinen Blog gestoßen und hab deine Geschichte gelesen. Sie ist echt schön, und so wahr.
Echt beeindruckend.

Weiter so!

Liebe Grüße Beccy

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen